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  • Schöpfungsmythen
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Die große Anzahl der ägyptischen Götter können nicht anders verstanden werden als die verschiedenen Aspekte einer als Ganzem und Abstraktem intellektuell noch nicht fassbaren einheitlichen Existenz Gottes. Sie repräsentieren sich in Mythen.

Die alten Ägypter gestalteten verschiedene Mythen zur Weltschöpfung.



Unter dem Eindruck der jährlichen Nilüberschwemmungen, aus denen zu Beginn jedes neuen Jahreszyklus`das erste Land zeichenhaft als Insel auftaucht, entstand die Vorstellung vom "Urhügel", der aus dem "Urozean", dem "NUN", aufgetaucht ist.

Der Wind, eine gestaltlose und unsichtbare, daher eine chaotische Macht, hat ihn zusammengeweht. Dieser Wind ist Amun, der aus der Welt vor der Schöpfung stammt, durch sein unruhiges Wesen diese Welt überwindet und die Schöpfung einleitet. Dort ist aus dem Ur-Ei des "großen Schnatterers" der Sonnengott RE herausgekrochen, d.h. aus chaotischer Feuchte ist gestaaltetes Leben entstanden.

Nach der Lehre aus Heliopolis steht der Urgott ATUM als nichtgeschaffen am Anfang der Dinge. Durch Selbstbegattung bringt er die Leere, den Luftraum SCHU und die Feuchte TEFNUT hervor.




Die Himmelsgöttin NUT, die auf dem Erdgott GEB lagert, wird durch den Lufgott SCHU in die Höhe gehoben und so vom Manne getrennt.


OSIRIS,

ISIS, NEPHTYS und SETH
ergänzen diese heliopolanischen Götter zu dem die Welt beherrschenden Machtkreis der Götterneunheit und gelten als der NUT Kinder.

Pharao, der immer HORUS ist, des OSIRIS Sohn, stammt somit immer und unmittelbar aus dem Geschlecht der Götter ab.

In Memphis gilt der Schöpfergott PTAH als Vater und Mutter des ATUM und bringt alle Kreatur, die rechtsordnung, die Götterkulte und die Götterbilder durch sein schöpferisches Wort hervor.
en archae aen ho logos algriech: "Am Anfang war das Wort"

Nach dieser Lehre sind Königtum und Staat das Schöpfungswerk Gottes.

Die Zäsur des Zusammenbruches des Alten Reiches bringt eine neue Theologie hervor.
Der Mensch als Ziel der Schöpfung steht im Mittelpunkt, um seinetwillen hat ATUM die Welt geschaffen. Hier beginnt die Lehre von der Vernichtung des Menschen. Sie wird erzählt im "Buch der Himmelskuh":



Da die Menschen sich gegen die göttliche Ordnung der Welt empört hatten, beschließt RE, das Geschlecht der Menschen zu vernichten. Doch reut ihn bald sein Entschluß, er besänftigt seine mit der Vernichtung beauftragte Tochter Hathor-Sechmet durch eine List.

Andererseits zieht er sich von der Weltregierung zurück und setzt eine neue Ordnung. Die Weltvernichtung liegt als Strafe in der Vergangenheit, die Gefahr ist überstanden, Gott aber ist seitdem den Menschen fern.

Hier liegt die Wurzel der Sintflutsage, zugleich birgt sie auch die mythische Umschreibung des Naturgeschenes der Sonnenwende.

Diese Mythen enthalten alle weswentlichen Elemente des Weltbildes der Ägypter: die dem Menschen als Lebensraum zugewiesene Erde ist bei der Schöpfung aus dem Urstoff des Wassers ausgegrenzt und von ihm umkreist. Auch im Himmel ist Wasser,



auf dem der Sonnengott in seiner Barke fährt ( nach Abydos) und das Grundwasser, auf das man immer stößt, ist ebenso der Nil, der unterirdische ( der Fluß der Unterwelt).

Der Nil mit seinen Überschwemmungen ist ein geordneter Ausfluß des NUN. Die Urmaterie allein ermöglicht die Existenz des Menschen, bedrohend und befruchtend zugleich.

Ordnen und Scheiden, das ist das Wesen des Schöpfungsaktes. Urbild dieser Ordnung ist der Urhügel, das erste Stück materie in der Urflut, sie ist gegenwärtig in jedem Tempel und jedem Thron. Der große zeiteinteiler ist die Sonne mit ihren Tagen, Monaten nund jahren. Der Welt vor der Schöpfung ist die Finsternis zugeordnet, die periodisch von der Sonne besiegt wird.

An jedem Abend bricht dieser Urzustand erneut über die Menschen ein, bedrohlich und notwendig zugleich, tauchen doch die Schläfer des abends ermattet, müde und kraftlos wieder in den Urozean ein, um am Morgen frisch zu erwachen. So wie der Nil, wie jede Fruchtbarkeit sich aus diesem Kraftmeer speist, badet sich dort auch der Schläfer, wäscht seine Augen im NUN und taucht mit der Sonne des Morgens darau empor.

Von hier aus allein ist der Totenglaube der Ägypter zu verstehen. Sie hatten Angst, mit dem Tode wieder in den ungeordneten Stoff ohne Grenzen und Orientierung zu versainken. Dem Jenseits Ordnung abzuringen durch Einteilung der Nacht und des Tages in Stunden, Wochen und Jahre, war vorsorge für die Seeligkeit.

Eines Tages werden Himmel und Erde sich wieder vereinigen, die Weltordnung zugrunde gehen, die Wasserflut wieder alles bedecken.
Die ständig bedrohte menschliche Existenz, allein in Ordnung möglich, ist ein göttliches Geschenk, dem der Mensch zu danken hat.

Als letzter Mythenkreis sei er von Osiris angedeutet: In Osiris sind mehrer Gottheiten eingeflossen. Einmal sieht man in ihm den chtonischen Fruchtbarkeitsgott, der die Unsterblichkeit der sich jährlich erneuernden Vegetation repräsentiert. Als Vegetationsgott erscheint er in seiner Herrscherfunktion auch mit Krummstab und Fliegenwedel. Der Götterlegende nach wird er von seinem Bruder SETH getötet. Sein Sohn HORUS ringt mit dem Mörder um sein Erbe, gewinnt und folgt seinem Vater auf dem Thron nach als Pharao.

Pharao ist also Gottes Sohn, er trägt diesen Königstitel auch als Legitimation seiner Thronbesteigung. Als gesalbter ( altgriech. chraestos) Thronwalter hat er das Amt und die göttliche Ordnung auf Erden zu erhalten und immer wieder zu erneuern. Das Leben der welt und der Menschen liegt in seiner hand. Er bewirkt das Fluten des Nils, läßt das Vieh gedeihen, aber auch die Kinder im Mutterleib. Der ist Gott und mensch zugleich, repräsentiert durch den Horusfalken.

Die täglich wiederkehren Rituale in den Tempeln setzten für den Gott und auch den Gottkönig einen exakten Tagesablauf voraus. Die Statue als Wohnsitz des Gottes wurde geweckt, gewaschen und gesalbt, angezogen, geschmückt.... Diese "Gottesdienst" wurde an Prister delegiert. Auf seinen Prozessionen konnte der Gott auch befragt werden und Orakael erteilen.
Gebete waren immer Geisterbeschwörungen.

Der Tod ist Weltvergehen, Tod der Götter und der Menschen. Gott gibt und nimmt Leben, er bestimmt die Lebenszeit. Der Tod als Lebensbegrenzung gehört zur Weltordnung, er tritt mit der Schöpfung auf den Plan. Gleichwohl wird er gefürchtet, besonders als Zustand nach dem Sterben.

Der Tote ist einsam, bedroht, er west im Finsteren und leidet Mangel, besonders an Wasser. Um die Erhaltung des Körpers zu ermöglichen, wird der Tote mumifiziert. Durch die



Mundöffnung wird er zum Sprechen gebracht, wird er wieder lebendig. Da er auch als Toter die gleichen Dinge benötigt, lebt er im Jenseits wie im Diesseits.


Daher ist sein Grab sein "Haus der Ewigkeit"

Durch Testamente wird der Unterhalt des Grabes gesichert. Logischerweiselt, dem schönen Westen stand der Gegenhimmel gegenüber, wo die Menschen auf dem Kopf gehen. Mit den Totenbüchern entwickelte man Methoden, durch


Totengerichtsverfahren sich dem Höllengang zu entziehen.

©cg