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  • Immanuel Kant
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Sapere aude!


Das Leben ist kein süßer Dämmerzustand!
Worauf es im Studium ankommt, ist die Leidenschaft nach Erkenntnis.

Es ist nun mal so, dass, wen die Erkenntnis treibt, weiß, zur Reifung der Gedanken eine gewisse Zeit vonnöten ist.

Es geht doch im Leben nicht um einen süßen Dämmerzustand, sondern um den Versuch, Freiheit zu erlangen. Es geht darum, unseren Ort in der Welt zu bestimmen, sie anzunehmen und, soweit es in unserer Macht steht, sie auch vernünftig zu gestalten. Dazu ist die Auseinandersetzung mit den großen Sinnfragen unbedingt nötig.

Beim Verstand geht es um die Erkenntnis. Bei der Vernunft um das Denken. Nun ist der Verstand enorm wichtig, er allein bringt uns nicht weiter. Wir können Tabellen machen, Fakten sammeln, Tatsachen festhalten. Die Vernunft geht über dies Gegebene hinaus und gibt unserem Streben eine Richtung. Die Vernunft hat Ideale. Ohne diese Ideale ist der Verstand blind.

In der Vernunftkritik liegt die belebende Kälte eines nur auf sachliche Unterscheidungen achtenden Engagements, dessen ungewisse Folgen durch die Prinzipienfestigkeit der Vernunft gemildert werden.

Der Alleszermalmer raubte den einen die tradierten Sicherheiten und schenkte den anderen feste Grundsätze für die Zukunft.
Kant führte den Beweis der Unbeweisbarkeit Gottes.
Die Natur als solche ist nichts wert. Mond oder Erde haben für sich genommen, keine Bedeutung. Eine Bedeutung, die sich verstehen, oder ein Wert, nach dem sich handeln lässt, kommt nur durch die Vernunft in die Welt.
Wer sich an Kant halten will, der muss die unbedingte Verantwortung des Menschen auf sich nehmen. Und er hat die ganze Last der Rationalität zu tragen, eine Last, die sich angesichts der Vielfalt der Kulturen noch erhöht.

Schon zu seiner Zeit wurde darum gestritten, ob der Mensch dem Anspruch seiner eigenen Vernunft gerecht werden kann. Verstand ist für Kant nichts anderes, als das diskursive Vermögen.

Wer selber denkt und genau liest, hat geistige Prothesen oder Krücken nicht nötig.
Kant hat uns deutlich gemacht, dass wir die Vernunft nur als eine Fähigkeit des Menschen kennen. Mit ihm hat sie Teil an der Natur, die eine Geschichte hat. Aus ihr tritt der Mensch niemals hinaus, in ihr tritt er lediglich hervor, um sich seine soziokulturelle Lebenssphäre zu schaffen.

Freiheit findet ihre Grenzen in der Freiheit Anderer. Nicht aber in der Natur. Freiheit ist der ursprüngliche Ausdruck der Lebendigkeit des Individuums in Verhältnis zu seinesgleichen. Als natürliche Äußerung ist sie doch eine Leistung der Vernunft, weil sie uns erst die Begriffe des Selbst und der Person, der Handlung und des Zweckes zur Verfügung stellt.

Das ist die Kopernikanische Wende im Denken: Der Mensch ist Träger aller Erkenntnis. Kant kommt zu der bestürzenden Einsicht, dass der Mensch nur das von der Welt begreift, was zu seiner Umwelt gehört. Kants bedeutendste philosophische Leistung liegt in der Begründung der menschlichen Freiheit, die ihren Ausdruck in der Moralität des Einzelnen findet.
In der Tradition der Metaphysik war vor Kant jeder menschlichen Erkenntnis, sofern sie auf Wahrheit Anspruch erheben konnte, die Existenz Gottes vorgeschaltet. Nach Kants Destruktion des Gottesbeweises kann davon keine Rede mehr sein. Die Existenz des Menschen rückt in den begründungstheoretischen Vordergrund.

Wir haben in allem, was immer wir über die Welt und uns selbst ausmachen können, von uns selber auszugehen.

Nach Kant wird das Postulat der Existenz Gottes benötigt, um dem Menschen wenigstens die Hoffnung auf einen guten Ausgang seiner vernünftigen Bemühungen zu geben. Das geschieht aber nicht im Interesse einer spekulativen Erlösung des Menschen am Ende aller Zeiten.

Der Sinn des Postulats zielt auf Gelassenheit im Dasein. Der Mensch, der sich zwar viel denken und noch mehr vorzustellen vermag, tatsächlich aber nur wenig erreichen kann, soll sich mit seinen begrenzten Kräften zufrieden geben können, ohne an seiner Vernunft irre zu werden. Gott wird benötigt, um dem Leben eine humane Perspektive zu geben.
Ein sicheres Wissen davon gibt es nicht. An Gott kann man bestenfalls glauben. Der Glaube ist daher ein Glücksfall des tätigen Menschen.

©cg