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Das Grab als Festgemach


Texte und Fragmente aus Grabliteratur. Diese wurden an kleine Figuren, Uschebtis genannt, angebunden, wenn man am Todestag mit den Verstorbenen kommunizierte. Es sind dies auch Grabinschriften oder auf Tonscherben, Ostraka genannt, verfertigte Klagen oder Anbetungen.


Grabinschrift:
„ Geselle Dich zum Feste im Hause der Seeligkeit, dass Du Dir in der Stadt der Toten erbaut hast.“ ( Im Grab des Kornzählers Djeserkare´)

Grabinschrift
„ Das Herz erfreuen, etwas Schönes sehen, Vorträge, Tänze und Gesänge, Myrrhen auflegen, sich mit Öl salben, eine Lotusblüte auf der Nase, Brot, Bier, Wein, Süßigkeiten und anderes vor sich....“

Es ist eine gewissen Beharrlichkeit, mit der das Erreichen der Jenseitssphäre, der würdige Einzug in die „ewige Wohnung“, als etwas außerordentlich Erfreuliches dargestellt wird.

In den Grabschriften spricht man meist davon, dass die Toten „ nach dem Westen wandern“.


Zur Ermunterung wendet man sich an den Grabinhaber mitunter auch mit einem Trinkspruch.:
„Nimm zu trinken.
Feiere einen schönen Tag
In deinem Hause der Ewigkeit,
aus der Hand Deiner Gattin Henut-nefert.

Dir zum Wohle, Geehrter,
ein weißes Gewand,
Öl für Deine Schultern,
Kränze an Deinem Hals,
Deine Nase mit Gesundheit und Leben zu füllen,
Myrrhen auf deinen Scheitel,
die von Amon-Ra kommen...

Feiere einen schönen Tag
In Deinem Haus der Ewigkeit.“

Eine Gattin eines Amonpriesters aus Karnak versichert mit einer beschrifteten Statue den Gemahl ihrer unwandelbaren Liebe:

„ Wir wollen uns zusammen niederlassen,
nicht kann uns Gott trennen.
So wahr Du mir lebst, ich entferne mich nicht von Dir,
es sei denn, Du wärest mir überdrüssig.

Nur täglich in Muße sitzen,
ohne dass irgend ein Übel kommt.
Wir sind zum Land der Ewigkeit gegangen,
damit unsere Namen nicht vergessen werden.

Schön ist die Zeit,
da man das Licht der Sonne sieht
in alle Ewigkeit
als Herr im Friedhof“

Festliches Dasein ist alles. Als sei die Scheidewand zwischen Hier und dort gefallen und die zeit, die nur eine Illusion ist, im Geiste erloschen.
Die drei großen Wüstenfriedhöfe, Theben, Sakkarah und Abydos sind es, die mit ihren Grabvillen jeder für eine Epoche steht.

Eines der aufschlussreichsten Briefdokumente ist das eines ägyptischen Witwers, das er um 1300 ins Grab seiner Frau deponiert hat, angebunden an eine Uschebti-Figur einer Dienerin.

„An den trefflichen Geist Anch-iri!
Was hast Du Übles gegen mich unternommen, dass ich in diesen schlimmen Zustand geraten bin, in dem ich mich befinde?
Was habe ich gegen Dich getan, dass Du die Hand auf mich legst, da ich doch nichts Böses gegen Dich verübte? Seit ich Dein Gatte wurde bis zum heutigen Tag – was habe ich gegen Dich getan, das ich zu verbergen hätte?

Ach, nachdem Du so handeltest, werde ich Dich verklagen!
Was habe ich gegen Dich getan? Ich werde gegen Dich Klage vorbringen vor den Göttern des Westens ( d.h. des Totenreiches), und man wird Dich und mich auf Grund des Schreibens, das ich hier verfasst habe, richten.
Was tat ich gegen Dich? Ich nahm Dich zur Frau, als ich ein junger Mensch war, und Du warst stets bei mir, als ich die großen Ämter beim Pharao – er lebe, sei heil und gesund! - ausübte.
Ich habe Dich nicht verstoßen und ließ Dein Herz nie unwillig werden. Alles, was ich erwarb und was mir zukam, nahm ich es um Deinetwillen, weil ich sagte: ich handle nach deinem Wunsch?

Sieh, und nun lässt Du mein Herz nicht ruhig werden! So muss ich wohl oder übel mit Dir prozessieren, damit man Unrecht und Recht erkennt. Sieh, als ich Offiziere Heeres des Pharao – er lebe, sei heil und gesund! – und seiner Reiterei ausbildete, kamen Sie, um sich vor Dir auf den Boden zu werfen, und brachten vielerlei schöne Geschenke, um sie vor Dir niederzulegen! Ich verbarg nichts vor Dir während meiner Lebenstage. Du hast nie gefunden, dass ich Dich betrogen habe... Aber Du erkennst das Gute nicht an, das ich Dir getan habe. So schreibe ich, um Dich das, was Du anrichtest, wissen zu lassen.
Als du schwer krank wurdest, da schickte ich den Oberarzt, und er bereitete ein Heilmittel für Dich, behandelte Dich und tat alles für Dich.
Und als ich dem Pharao – er lebe, sei heil und gesund! – in den Süden folgte und du starbst, habe ich acht Monate verbracht, ohne recht zu essen und zu trinken. Als ich nach meiner Rückkehr in Memphis Urlaub hatte, weinte ich mit den Nachbarn vor deinem Hause sehr. Ich gab Kleider aus feinem Leinen, dazu Stoffe, um Dich einzubalsamieren; ich ließ sogar viele Stoffe extra weben und übersah nichts Gutes.

Siehe, ich habe sogar noch drei Jahre allein gelebt und nicht wieder geheiratet, obwohl ein Mann wie ich das nicht nötig hatte. So habe ich es um deines Willen gehalten. Aber, Du kannst Gutes vom Schlechten nicht unterscheiden.

So wird man zwischen Dir und mir richten.“


Zwei Schreiber korrespondieren:
„ der Schreiber Mchi grüßt den Schreiber Eje, den Jüngeren, mit Leben, Glück und Gesundheit, mit Lobpreisung Amon Re´s, des Götterkönigs!
Wie geht es Dir? Wie ist Dein Befinden? Bist Di in Ordnung? Ich bin nämlich in Ordnung. Ich sage zu Amon, Ptah, Re´Harachte und zu allen Göttern vom Hause des Thot: mögest Du gesund sein! Mögest Du leben! Mögest Du in der Gunst des Ptah, Deines Guten Herrn stehe! Mögest Du tätig sein, möge es gelingen, mögest Du wegen allem, was Du tust, gelobt werden!
Eine Bitte: Nimm Dich Herrn Merimes an. Ich heb ihn nämlich zum Fürsten gesandt, damit er die beiden Schiffe sucht, die man ihm gegeben hat. Lass sie ihn überall suchen ! Und nimm Dich Merimes an, während er dort bei Dir ist, damit ihm nicht alles das passiert, was Du mir antatest, als ich dort in Memphis war und als Du die Hälfte der Verpflegung nahmst, um sie zu versilbern.

Und ein Weiteres:
Die Sängerin des Amun, Iset_Nofret( Schöne Isis ) sagt: wie geht es Dir? Wie sehne ich mich danach, Dich zu sehen. Meine Augen sind so groß wie Memphis, weil ich danach hungere, Dich zu sehen! Und ich sage hier Thot und allen Göttern vom Hause des Thot: mögest Du gesund sein!. Mögest Du leben! ...

Zwei Priester korrespondieren im 2. Jh. Pcn:

„ Ich sandte Dir andere Briefe, in denen ich Dich bat wegen der sechs Gewänder des Pyrrhos und der zwei Mäntel, Du mögest sie mir schicken für ihren Preis, und jetzt schreibe ich Dir in Eile, damit DU Dir keine Sorgen machst, denn ich werde es einrichten, dass Dir nichts geschieht.
Du musst nämlich wissen, dass ein Revisor der Tempelinventare angekommen ist und im Begriffe steht,
auch in Deinen Bezirk zu gehen. Lass Dir also keine Angst einjagen, denn ich werde Dir heraushelfen. Wenn Du nu Zeit hast, schreibe Deine Akten und komme damit zu mir hinauf; der Mensch ist nämlich sehr streng. Hält Dich aber etwas fest, so schicke sie mir und ich werde Dich herauswickeln; er ist nämlich inzwischen mein Freund geworden. Wenn es bei Dir wegen des Geldes hapert und Du augenblicklich nichts hast, so schreibe mir, und ich werde Dir jetzt wie auch früher heraushelfen.
Ich habe mich beeilt, Dir zu schreiben, damit Du nicht selbst erscheinst – denn bevor er zu Dir kommt, will ich machen, dass er Dich laufen lässt. Er hat nämlich Beglaubigungsschreiben, um jeden Widerspenstigen mit polizeilicher Bedeckung an den Oberpriester senden zu können. Aber denk an Dich und das, was Du mir kaufen solltest, wie ich schrieb. Bleib mir gesund, Hochgeschätzter.“

Bestattungsbrauch: Der Haupttransportweg war der Nil. Oft nahmen die Fährleute mehrere Mumien mit. Fährleute, Priester und Beamte bekamen Hinweise für die Grabstellen. Man hing den Mumien Holztäfelchen um, auf denen Namen, Bestimmungsorte und weitere Anweisungen aufgezeichnet waren. Diese Kennzeichnungen wurden durch besondere Färbungen und Ausschmückung der Mumienhüllen noch unterstützt. Mädchen und Frauen legte man gerne nachgebildete Kränze von Rosen um die Stirn Ihrer Bildnisköpfe.


„ ...Ich habe Dir die Leiche meiner Mutter Senyris geschickt, einbalsamiert, mit einer Tafel am Halse, das Fährgeld ist schon von mir bezahlt. Das Zeichen der Mumie ist: es ist eine Leinwandhülle, die außen einen Rosenschmuck hat, auf dem Bauche ist ihr Name geschrieben.
Ich wünsche Gesundheit, mein Bruder. Jahr 3, Thot 11.“

© Claus Groß