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  • Exkursion nach Sachsenhausen
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Exkursion nach Sachsenhausen


Anhand einer Karte aus dem Putzger Schulatlas ergeben sich die Strukturen des Themas:
1. Entwicklung und Typologie der KZ
2. Todesfabriken
3. Vernichtung durch Arbeit
4. Arbeitserziehungslager Sachsenhausen
5. Sowjetisches Speziallager

Am 6.4.1933 zitierte das Dachauer Volksblatt eine Meldung des kommissarischen Polizeipräsidenten von München – Heinrich Himmler:
„Am Mittwoch wird in Dachau das erste Konzentrationslager eröffnet.“

Der Begriff war den Zeitgenossen bekannt. Als erstes taucht er im kubanischen Unabhängigkeitskrieg im 19. Jahrhundert auf, als der spanische Gouverneur insgesamt 400 000 Menschen in sog. „campos de concentracion“ einsperren ließ. Dies Beispiel machte schnell Schule. In den Kolonialkriegen auf den Philippinen richteten auch die US-Amerikaner solche Lager ein. 1900 internierten die Briten in Südafrika 160 000 aufständische Buren in „concentration camps“.

Konzentrationslager hießen zeitweilig auch die Internierungslager während des Ersten Weltkrieges. Auch in der Sowjetunion wurde dieser Begriff zeitweise als Synonym für Gefangenenlager benutzt.

Auch in Deutschland gab es schon vor 1933 Konzentrationslager. So 1921 in Cottbus-Sielow und in Stargard / Pommern. Dabei handelte es sich um „Abschiebelager für unerwünschte Ausländer“, meistens Ostjuden. Ebenso hatte der von den Nazis verwendete Begriff der „Schutzhaft“ eine lange Tradition in Deutschland, er war in den Notverordnungen der Weimarer Republik verankert. Schutzhaft war ein Synonym für vorbeugende und willkürliche Verhaftungen ohne konkrete Tatvorwürfe und ohne Rechtsgrundlage. Seit 1933 fing es mit sog. „wilden“ KZ der SA an, in denen politische Gegner eingesperrt und systematisch gefoltert wurden.

Nach dem Röhmputsch begann der Aufstieg der SS. Die KZ wurden organisatorisch zusammengefasst und zentral geleitet. Theodor Eicke als Inspektionsleiter der KZ war nur noch Himmler unterstellt. Mit seinen Totenkopfverbänden baute er das KZ – System aus. Beginn war in Dachau. Opfer waren politische Gegner, später sog. Bibelforscher, nach der „Reichskristallnacht“ 1938 in verstärktem Maße Juden, Asoziale, Berufsverbrehcer, Homosexuelle, Sinti und Roma.

!939 waren 25.000 in deutschen KZ, im März 1942 100 000, 1943 200 000, und 1945 wurde mit 500 000 der Höchststand erreicht. Vernichtungslager wurden von der SS nicht in die Statistik einbezogen. Legitimiert wurde dies alles durch eine umfangreiche Gesetzgebungstätigkeit, bis hin zum sog. „Nacht- und Nebelerlaß“, der von der Wehrmacht übernommen wurde. Im Kontext der sog. „Endlösung der Judenfrage“ gab es unmittelbar nach der Wannseekonferenz Febr. 1941 die Errichtung neuer Lager, insbesondere in der Eroberten Gebieten. Siehe Karte.

In der Fachwelt werden diese Lager als „Todesfabrike“ oder „Vernichtungslager“ bezeichnet. - In Chelmo/Kulmhof wurden erstmals Juden in sog. Gaswagen durch Abgase ermordet.
- In Sobibor waren es 250 000
- In Belzec 600 000
- In Treblinka 870 000

Diese Lager unterschieden sich von den anderen durch ihre geringe Größe ( ca. 400 x 600 Meter). Die Wachmannschaften bestanden nur aus 20-30 Mann, die von 200-300 Funktionshäftlingen „unterstützt“ wurden, die dann allerdings auch ermordet wurden. In diesen Vernichtungslagern wurden auf einer Fläche von nur mehreren Fußballfeldern vom Frühjahr bis Winter 1942 fast zwei Millionen Menschen ermordet.

Im Unterschied zu Sobibor und Treblinka wurde in den Lagern Auschwitz und Maydanek die Arbeitskraft der Häftlinge bis zum Letzten ausgebeutet. Die Opfer wurden entweder sfort zur Vernichtung „herausselektiert“ oder durch Zwangsarbeit „vernichtet“. Die durchschnittliche Lebenserwatung dieser Menschen betrug dann max. drei Wochen.

Insbesondere Auschwitz entwickelte sich zu einem riesigen Komplex. Es gab das Stammlager Auschwitz I, II=Birkenau, und II-Monowitz, auch Auschwitz-IG Farben genannt. Die Vernichtungs- und Verbrennungsanlagen waren darauf eingerichtet, täglich 10 000 Menschen ermorden zu können. Auf dem Höchststand waren 155.000 Menschen inhaftiert. Nach jüngsten Berechnungen der Wissenschaft sind dort über 1 000 000 Menschen ermordet worden. Maydanek war ein ebensolches Vernichtungslager, 250 000 Häftlinge haben nicht überlebt.

In der Forschung bis nur am Rande berücksichtigt bleiben die Lager für „arbeitsscheue oder asoziale“ Jugendliche im Alter von 16-21 Jahren. Die jugendlichen Häftlinge wurden in Blöcke eingeteilt:
U=untauglich
S=Störer
D=Dauerversager
G=Gelegenheitsversager
F=Fraglich erziehungsfähig

Ca. 8% hatten eine Überlebenschance, der Rest wurde als Volljährige direkt ins KZ überstellt. In Berlin – Marzahn errichtete man 1936 wegen der Olympiade ein KZ für Sinti und Roma.

In diesem zeitlichen Zusammenhang steht auch das KZ Sachsenhausen, das 1936 von Häftlingen der sog. Emslandlager errichtet wurde. Wegen der besonderen Nähe zu Berlin hatte es eine besondere Funktion: die Ausschaltung politischer Gegner, sog. „Volksschädlinge“. Sachsenhausen hatte Vorbildcharakterfür alle Lager und war Ausbildungslager der SS, die mit 3 600 Mann hier stationiert waren. Seit 1938 befand sich hier auch die Inspektion aller KZ und Außenlager. Insgesamt waren in Sachsenhausen 200 000 Häftlinge aus 40 Nationen inhaftiert. Neben dem Stammlager, und das gilt für alle Lager, gab es 100 Außenstellen. Hier kam es zu Massenermordungen durch Erschießungen oder nicht behandelten Typhus. Noch im April 1945 kamen tausende Häftlingen bei den sog. „Todesmärschen“ ums Leben. Schätzungsweise wurden in Sachsenhausen ca. 100 000 Häftlinge ermordet.

Im August 1945 errichteten die Sowjets bis 1950 ein Speziallager. Das Lagerregime änderte sich personell und organisatorisch wenig, es kam jedoch nicht zu Massenmorden. Die Häftlinge starben durch Hunger oder Nichtstun. Der Schauspieler Heinrich George verhungerte 1946/47 hier. Nach neuesten Recherchen starben in diesem Speziallager ca. 12 000 Menschen. Seit 1951 ist das Lager eine sog. „Nationale Mahn- und Gedenkstätte“.

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